Ein Turm, künstlerisch belebt

15.03.2003 10:04

Ein Wahrzeichen Diessenhofens haben zehn Kunstschaffende für ein anspruchsvolles Videoprojekt gewählt. Verwirklicht und präsentiert wird es im Rahmen des Kantonsjubiläums.

DIESSENHOFEN - Es war eine grosse Herausforderung an die Künstlerinnen- und Künstlergruppe Thurgau, gemeinsam ein überzeugendes Projekt während des Kulturmonats zu realisieren. Der Austragungsort Diessenhofen war vorgegeben, Techniken und Ausführung hatten die Teilnehmenden aber selbst zu bestimmen. Verschiedene Ideen waren da vor einem Jahr, die sich dann aber nicht umsetzen liessen. Als sich alles in Luft aufzulösen schien, fiel einigen der markante Hänkiturm auf, der das Ortsbild von Diessenhofen seit Hunderten von Jahren mitprägte.

Unbeachtetes Denkmal
Ungenutzt, verstaubt stand er da und forderte ganzen Einsatz: einst Wehrturm, dann Gefängnis und später Industriegebäude trägt er eine geschichtsträchtige Atmosphäre in sich, die es zu respektieren gilt. Die zehn Kunstschaffenden, die diese schwierige Aufgabe meistern wollen, kamen überein, den Turm und seine Umgebung in Videos zu thematisieren - was für die meisten Neuland ist - und sie so im Innern zu installieren, dass seine Substanz nicht angegriffen wird. Auf verschiedenen Ebenen werden nun Projektionsflächen angebracht, die sich mit der architektonischen Präsenz verbinden sollen. Aus verschiedenen Blickwinkeln kommen Details und Geschichten rund um diesen Turm ins Bild, auf die man als achtlose Spaziergänger kaum stiesse.

Das fliessende Wasser, farblich verfremdet, strukturenreich und mit abwechslungsreichen Ufern sind das bewegende Element, der Turm in seiner vielfältigen Symbolik wirkt wie eine grosse Persönlichkeit und bringt Ruhe. Das wird unterschiedlich herausgearbeitet und neu zusammengesetzt in den einzelnen Clips. Noch ist alles im Werden, es gibt untereinander Kritik und länger dauernde Auseinandersetzungen, aber auch Ermunterungen zum Weitermachen. Viel verlangt wird von Mark Huber, der die einzelnen Videos mit einem akustischen Erlebnisstrang verbinden soll. Die Künstlerinnen- und Künstlergruppe hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt, in dieser intensiven gemeinsamen Arbeit aber auch einen neuen Zusammenhalt gewonnen, der sich befruchtend auswirken könnte auf zukünftige Projekte. An der Vernissage am 6. September wird sich zeigen, was aus den viel versprechenden Ansätzen geworden ist.

Ausstellung: 6. bis 28. September, geöffnet 7., 13., 14., 20., 21., 27., 28. September, 14-20 Uhr; Abend-Event: 17. September, 19 Uhr; Finissage: 28. September, 17 Uhr; www.2003.tg.ch (Veranstaltungen).

Wer macht mit?
Am Videoprojekt beteiligt sind: Fredy Bissegger, Marta Herzog, Mark J. Huber, Marianne Jost-Schäffeler, Martin Maeder, Erich Rutishauser, Stefan Rutishauser, Pierre Sutter, Helmut Wenczel, Rolf Zurfluh. (fz.)

Von Barbara Fatzer, erschienen im St. Galler Tagblatt vom 15. Juli 2003

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